
Ladevorgang...
- 73 Prozent sagten Ja - wie die Schweiz ihr Glücksspielrecht neu ordnete
- Das Geldspielgesetz im Detail - Struktur, Zuständigkeiten, Verbote
- Wer darf in der Schweiz Sportwetten anbieten
- DNS-Sperren gegen ausländische Anbieter - Wirkung und Grenzen
- Steuerfreiheit bis 1'070'400 Franken - die Steuerregeln für Wettgewinne
- Revision und Entwicklung - wohin sich das Schweizer Wettrecht bewegt
73 Prozent sagten Ja – wie die Schweiz ihr Glücksspielrecht neu ordnete
Am 10. Juni 2018 standen die Schweizer Stimmberechtigten vor einer Grundsatzfrage: Soll der Bund Glücksspiele im Internet regulieren oder den Markt weiterhin ohne klare Online-Regeln laufen lassen? 73 Prozent stimmten für das neue Geldspielgesetz. Es war keine knappe Entscheidung, kein Zufallsmehr. Es war ein klares demokratisches Signal.
Ich erinnere mich an die Diskussionen vor der Abstimmung. Die Gegner argumentierten mit Bevormundung, Marktbeschränkung, Verdrängung ins Illegale. Die Befürworter konterten mit Spielerschutz, Geldwäscheprävention und der Finanzierung von Sport und Kultur. Am Ende überzeugte das Argument, dass ein unregulierterer Markt nicht mehr Freiheit bedeutet, sondern weniger Schutz für die Verletzlichsten.
Seit dem 1. Januar 2019 ist das Bundesgesetz über Geldspiele – kurz BGS – in Kraft. Es hat die Schweizer Sportwettenlandschaft grundlegend verändert. Wer heute legal online wettet, tut dies innerhalb eines Rahmens, der in Europa zu den strengsten gehört. Wer sich ausserhalb dieses Rahmens bewegt, tut dies bewusst – und sollte die Konsequenzen kennen. Das betrifft nicht nur abstrakte Rechtsfragen, sondern ganz konkrete Dinge: Steuern auf Gewinne, Zugang zu Spielerschutz, die Möglichkeit, sich bei Problemen an eine Behörde zu wenden.
Dieser Artikel erklärt die rechtlichen Grundlagen ohne juristischen Fachjargon. Ich bin kein Anwalt, sondern Analyst mit acht Jahren Erfahrung im Bereich Mobile Payment und Sportwetten. Mein Ziel ist es, die Spielregeln verständlich zu machen – damit du selbst entscheiden kannst, wie du dich positionierst. Die Fakten sprechen eine klare Sprache, und nach der Lektüre wirst du besser informiert sein als 90 Prozent der Schweizer, die online wetten.
Das Geldspielgesetz im Detail – Struktur, Zuständigkeiten, Verbote
Das BGS unterscheidet zwischen zwei Kategorien von Geldspielen: Spielbankenspiele und Grossspiele. Sportwetten fallen in die Kategorie der Grossspiele, zusammen mit Lotterien und Geschicklichkeitsspielen. Diese Unterscheidung ist nicht akademisch – sie bestimmt, welche Behörde zuständig ist, welche Regeln gelten und wer eine Lizenz erhält.
Die Kernregel für Sportwetten ist einfach: Online-Sportwetten dürfen in der Schweiz nur von Veranstaltern angeboten werden, die eine Bewilligung nach dem Geldspielgesetz besitzen. Diese Bewilligung erteilt die interkantonale Aufsichtsbehörde – und sie wird nicht an private, ausländische Anbieter vergeben. Das Gesetz wurde so konzipiert, dass Sportwetten in der Hand der bestehenden Lotteriegesellschaften bleiben: Swisslos für die Deutschschweiz und das Tessin, Loterie Romande für die Westschweiz.
Parallel dazu regelt das BGS die Sperrung ausländischer Anbieter. Die Eidgenössische Spielbankenkommission ESBK führt eine Liste von Websites, die in der Schweiz per DNS-Sperre blockiert werden. Internet-Service-Provider sind verpflichtet, den Zugang zu diesen Seiten zu unterbinden. Die Liste wird regelmässig aktualisiert – neue Anbieter werden aufgenommen, bestehende Sperren bei Bedarf angepasst.
Ein weiteres zentrales Element des BGS: die Werbebeschränkungen. Ausländische Anbieter dürfen in der Schweiz keine Werbung für ihre Sportwetten-Produkte schalten. Das betrifft klassische Medien ebenso wie Online-Werbung. In der Praxis wird dieses Verbot über ausländische Affiliate-Seiten umgangen, die sich an Schweizer Nutzer richten, ohne formell in der Schweiz zu werben. Die Durchsetzung dieser Bestimmung bleibt eine der grössten Herausforderungen für die Regulierungsbehörden.
Was das Gesetz ebenfalls regelt: die Abgaben. Ein Teil des Bruttospielertrags fliesst in die Kantone, ein Teil in den Sportförderfonds, ein Teil in die Kulturförderung, ein Teil in die Suchtprävention. 2025 wurden CHF 6,2 Millionen an die Kantone für die Bekämpfung von Spielsucht ausgeschüttet – 0,5 Prozent des Bruttospielertrags aus Lotterien und Sportwetten. 73 Prozent der Stimmbevölkerung haben dieses Modell gutgeheissen – nicht weil es perfekt ist, sondern weil es sicherstellt, dass die Einnahmen aus Sportwetten der Gesellschaft zugutekommen und nicht in ausländische Holdingstrukturen abfliessen.
Gespa und ESBK – wer reguliert was
Zwei Behörden teilen sich die Aufsicht über das Schweizer Glücksspiel, und die Zuständigkeiten sind klar getrennt. Wer als Wetter ein Problem hat, muss wissen, an wen er sich wenden kann – und das hängt davon ab, um welche Art von Spiel es geht.
Die Gespa – die interkantonale Geldspielaufsicht – ist für Lotterien und Sportwetten zuständig. Sie beaufsichtigt Swisslos und die Loterie Romande, erteilt die Bewilligungen für Grossspiele und kontrolliert die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben. Wer eine Beschwerde über Sporttip oder Jouez Sport hat, wendet sich an die Gespa. Die Behörde prüft die Angebote, überwacht die Spielerschutzmassnahmen und stellt sicher, dass die Abgaben korrekt entrichtet werden. Aus den Abgaben der Lotterien und Sportwetten wurden 2025 CHF 6,2 Millionen für die Suchtprävention an die Kantone überwiesen – ein direktes Ergebnis der Gespa-Aufsicht.
Die ESBK – die Eidgenössische Spielbankenkommission – ist für Spielbanken und Online-Casinos zuständig. Sie verwaltet die DNS-Sperrliste für illegale Anbieter, beaufsichtigt die konzessionierten Casinos und ist verantwortlich für die Durchsetzung der Spielsperren. Rund 60’000 Personen in der Schweiz sind von Spielbanken und Online-Spielen gesperrt – ein Beleg dafür, dass das Sperrsystem aktiv genutzt wird und eine reale Schutzwirkung entfaltet.
Die Zusammenarbeit zwischen Gespa und ESBK ist im Gesetz geregelt, funktioniert aber nicht immer reibungslos. Die Zuständigkeiten überschneiden sich bei Themen wie Online-Spielerschutz und Suchtprävention, was gelegentlich zu Doppelspurigkeiten führt. Ein konkretes Beispiel: Seit dem 7. Januar 2025 gelten Spielsperren gegenseitig zwischen der Schweiz und Liechtenstein. Die Umsetzung dieser Massnahme erforderte die Koordination beider Behörden – und die Ergebnisse sprechen für sich: Liechtensteinische Casinos meldeten einen Rückgang der Umsätze um 85 Prozent, was die Wirksamkeit des Sperrsystems eindrucksvoll belegt.
Für den Wetter im Alltag ist die Zuständigkeitsaufteilung selten relevant. Aber im Problemfall – eine verzögerte Auszahlung, ein gesperrtes Konto, ein Verdacht auf unfaire Praktiken – ist es entscheidend, die richtige Behörde zu kontaktieren. Bei Sportwetten: Gespa. Bei Casino-Spielen: ESBK. Diese Unterscheidung spart im Ernstfall Tage.
Wer darf in der Schweiz Sportwetten anbieten
Die Antwort auf diese Frage passt in einen Satz: Sporttip und Jouez Sport. Das war’s. In der Schweiz dürfen ausschliesslich diese beiden Anbieter legale Online-Sportwetten anbieten. Sporttip wird von Swisslos betrieben, Jouez Sport von der Loterie Romande.
Diese Beschränkung ist kein Zufall und kein Übergangszustand. Das Geldspielgesetz sieht vor, dass Online-Sportwetten nur von den bestehenden Lotteriegesellschaften angeboten werden dürfen. Neue Lizenzen für private oder ausländische Anbieter sind nicht vorgesehen. Das unterscheidet die Schweiz von Ländern wie Deutschland oder Grossbritannien, die den Markt für mehrere lizenzierte Anbieter geöffnet haben.
Die Frage, ob dieses Monopolmodell den Spielern nützt oder schadet, wird kontrovers diskutiert. Befürworter verweisen auf den Spielerschutz, die Kanalisierung der Nachfrage und die Umverteilung der Einnahmen. Kritiker argumentieren, dass fehlender Wettbewerb zu schlechteren Quoten und einem eingeschränkten Angebot führt. Beide Seiten haben einen Punkt. Aber die rechtliche Lage ist eindeutig: Wer in der Schweiz legal online wettet, tut dies bei Sporttip oder Jouez Sport – zwei Plattformen, die zusammen 2024 einen Sportwetten-Umsatz von CHF 122 Millionen erzielt haben.
Ein Argument, das in der öffentlichen Diskussion oft zu kurz kommt: Das Monopolmodell schliesst zwar den Wettbewerb zwischen Anbietern aus, aber es schliesst nicht den Wettbewerb innerhalb des Systems aus. Sporttip und Jouez Sport konkurrieren faktisch miteinander, wenn auch in getrennten Sprachregionen. Und beide stehen unter dem Druck, ihr Angebot zu verbessern, weil die Spieler sonst zu illegalen Anbietern abwandern. Dieses Spannungsfeld – reguliertes Monopol versus illegale Konkurrenz – ist die eigentliche Dynamik des Schweizer Wettmarkts.
Für eine detaillierte Analyse der beiden legalen Anbieter und ihrer Unterschiede verweise ich auf meinen separaten Vergleich. Hier konzentriere ich mich auf den rechtlichen Rahmen, der diese Situation überhaupt geschaffen hat.
DNS-Sperren gegen ausländische Anbieter – Wirkung und Grenzen
Wer schon einmal versucht hat, von einem Schweizer Internetanschluss aus auf einen gesperrten Wettanbieter zuzugreifen, kennt die Meldung: Die Seite kann nicht geladen werden. Das ist kein technischer Fehler – es ist eine DNS-Sperre, die von deinem Internet-Service-Provider umgesetzt wird.
Das Prinzip ist einfach: Die ESBK führt eine Liste gesperrter Domains. Schweizer ISPs sind gesetzlich verpflichtet, den Zugang zu diesen Domains zu blockieren. Die Sperre greift auf DNS-Ebene – das heisst, dein Browser kann die IP-Adresse der Website nicht auflösen und zeigt eine Fehlermeldung an. Technisch ist das kein undurchdringliches Bollwerk, aber es ist wirksam genug, um die grosse Mehrheit der Nutzer vom Zugang abzuhalten.
Die Grenzen der DNS-Sperren sind bekannt und werden offen diskutiert. Ein VPN leitet deinen Internetverkehr über einen Server im Ausland, umgeht die DNS-Sperre und ermöglicht den Zugang zur blockierten Website. Die Nutzung eines VPN ist in der Schweiz legal – die Frage ist, ob die Nutzung eines VPN, um auf gesperrte Glücksspielseiten zuzugreifen, eine Umgehung des Geldspielgesetzes darstellt. Technisch versierte Nutzer können die Sperren auch durch den Wechsel des DNS-Servers umgehen, was noch einfacher ist als die Installation eines VPN.
Die rechtliche Einordnung ist derzeit eine Grauzone. Das Geldspielgesetz verbietet die Veranstaltung und das Anbieten illegaler Geldspiele, nicht deren Nutzung. Der einzelne Spieler macht sich nach herrschender Rechtsauffassung nicht strafbar, wenn er bei einem gesperrten Anbieter wettet. Aber „nicht strafbar“ ist nicht gleichbedeutend mit „legal“ – und die steuerlichen Nachteile bleiben bestehen, egal ob du mit oder ohne VPN spielst. Der Steuerunterschied zwischen legalen und illegalen Anbietern ist der effektivste Anreiz, den das Gesetz bietet, um Spieler im legalen Markt zu halten.
In der Praxis hat das DNS-Sperrsystem eine zweite Funktion: Es signalisiert dem Nutzer, dass der Anbieter in der Schweiz nicht zugelassen ist. Wer trotzdem weitermacht, kann sich nicht darauf berufen, er habe es nicht gewusst. Die Sperre ist ein Warnsignal, und wer es ignoriert, tut dies auf eigene Verantwortung – finanziell und rechtlich. Die ESBK aktualisiert die Sperrliste laufend, und neue Anbieter werden in der Regel innerhalb weniger Wochen nach Entdeckung aufgenommen.
Steuerfreiheit bis 1’070’400 Franken – die Steuerregeln für Wettgewinne
Das ist der Punkt, an dem die meisten aufmerksam werden. Und zu Recht, denn die Steuerregelung für Sportwettengewinne in der Schweiz ist aussergewöhnlich grosszügig – aber nur unter einer Bedingung.
Gewinne bei lizenzierten Schweizer Anbietern – also bei Sporttip und Jouez Sport – sind bis zu einem Betrag von CHF 1’070’400 steuerfrei. Diese Freigrenze gilt pro Gewinn, nicht pro Jahr. Ein Jackpot von einer Million Franken bei Sporttip? Steuerfrei. Zehn Gewinne von je 50’000 CHF im gleichen Jahr? Jeder einzelne steuerfrei, solange keiner die Grenze überschreitet. Erst der Betrag, der über 1’070’400 CHF hinausgeht, wird besteuert – und selbst dann nur der überschiessende Teil.
Diese Regelung ist international ungewöhnlich. In Deutschland werden Wettgewinne nicht besteuert, aber der Buchmacher zahlt eine Wettsteuer von 5,3 Prozent, die in die Quoten eingepreist wird und den Spieler indirekt belastet. In Grossbritannien sind Gewinne ebenfalls steuerfrei. In vielen anderen Ländern – Frankreich, Italien, Spanien – werden Glücksspielgewinne als Einkommen besteuert, teilweise ab dem ersten Euro. Die Schweizer Lösung kombiniert eine hohe Freigrenze mit einer klaren Unterscheidung zwischen legalen und illegalen Quellen.
In der Praxis bedeutet das: Ein Wetter, der jedes Jahr ein paar tausend Franken bei Sporttip gewinnt, zahlt darauf null Steuern. Kein Eintrag in der Steuererklärung nötig, keine Nachweise, keine Diskussion mit dem Steueramt. Der gleiche Gewinn bei einem nicht lizenzierten Anbieter erfordert eine Deklaration als Einkommen und führt zu einer Steuerlast, die je nach Kanton und persönlichem Steuersatz variiert.
Und genau hier liegt der Haken, der den meisten nicht bewusst ist: Die Steuerfreiheit gilt ausschliesslich für Gewinne bei lizenzierten Anbietern. Wer bei einem nicht lizenzierten Anbieter wettet und gewinnt, muss den Gewinn als Einkommen versteuern – in voller Höhe, ab dem ersten Franken. Je nach Kanton und Einkommen bedeutet das eine Steuerlast von 20 bis 40 Prozent. Aus einem 10’000-CHF-Gewinn werden dann netto 6’000 bis 8’000 CHF.
Gewinne bei illegalen Anbietern – volle Besteuerung als Einkommen
Das Geldspielgesetz ist hier eindeutig: Gewinne aus nicht bewilligten Geldspielen werden nach den Regeln der Einkommenssteuer behandelt. Sie müssen in der Steuererklärung deklariert werden, und sie unterliegen dem regulären Einkommenssteuersatz.
In der Praxis sieht das so aus: Du gewinnst 10’000 CHF bei einem nicht lizenzierten Anbieter. Du zahlst das Geld auf dein Bankkonto aus. In deiner Steuererklärung gibst du den Gewinn als Einkommen an. Je nach Kanton und deinem übrigen Einkommen zahlst du darauf zwischen 2’000 und 4’000 CHF Steuern. Der gleiche Gewinn bei Sporttip? Null Steuern. Der Unterschied beträgt also mindestens 2’000 CHF – bei einem einzigen Gewinn. Über ein Jahr mit mehreren Gewinnen summiert sich das auf Beträge, die jeden Willkommensbonus in den Schatten stellen.
Die Frage, die sich viele stellen: Was passiert, wenn ich den Gewinn nicht deklariere? Die Antwort: Das Steueramt sieht Bankeinzahlungen, die nicht zu deinem deklarierten Einkommen passen. Gerade grössere Beträge von Wettanbietern – besonders ausländische Überweisungen – fallen auf. Schweizer Banken sind zudem verpflichtet, ungewöhnliche Transaktionen zu melden. Eine Steuerhinterziehung hat in der Schweiz Konsequenzen, die weit über den hinterzogenen Betrag hinausgehen: Nachsteuern, Verzugszinsen, Bussen. Der Steuervorteil legaler Anbieter ist kein abstraktes Argument. Er ist bares Geld, das du sparst, ohne dich in eine rechtlich prekäre Lage zu bringen.
Ein weiterer Aspekt, den viele übersehen: Verluste bei nicht lizenzierten Anbietern sind steuerlich nicht absetzbar. Du kannst Wettverluste nicht vom Einkommen abziehen, aber du musst Wettgewinne versteuern. Das ergibt eine asymmetrische Belastung, die über längere Zeiträume erheblich ins Gewicht fallen kann. Wer bei einem illegalen Anbieter über das Jahr 5’000 CHF verliert und 3’000 CHF gewinnt, zahlt auf die 3’000 CHF Steuern – obwohl er netto 2’000 CHF im Minus ist. Bei legalen Anbietern existiert dieses Problem nicht, weil die Gewinne steuerfrei sind.
Revision und Entwicklung – wohin sich das Schweizer Wettrecht bewegt
Das Geldspielgesetz ist seit 2019 in Kraft, und die Diskussion über seine Zukunft hat längst begonnen. Die grundsätzliche Frage lautet: Bleibt die Schweiz beim Monopolmodell, oder öffnet sie den Markt für weitere lizenzierte Anbieter?
Markus Kilb, CEO von TWINT, hat in einem Interview betont, dass es gerade in Zeiten internationaler Turbulenzen umso wichtiger sei, dass die Zahlungsinfrastruktur der Schweiz unabhängig bleibe. Dieses Argument der Souveränität – der Kontrolle über die eigene Finanzinfrastruktur – spiegelt sich auch in der Glücksspielregulierung wider. Die Schweiz will nicht, dass Schweizer Wettgelder in unkontrollierte ausländische Kanäle fliessen. Das BGS ist ein Instrument dieser Kontrolle.
International betrachtet ist das Schweizer Modell nicht einzigartig. Skandinavische Länder wie Norwegen und Finnland betreiben ähnliche Monopolmodelle. Deutschland hat 2021 den Markt geöffnet und kämpft seither mit der Durchsetzung, weil viele Spieler zu nicht lizenzierten Anbietern abwandern. Grossbritannien hat einen offenen Markt mit strengerer Regulierung, der aber mit hohen Suchtquoten zu kämpfen hat. Jedes Modell hat Vor- und Nachteile, und die Schweiz beobachtet die Entwicklungen in den Nachbarländern genau.
Eine Revision des Geldspielgesetzes ist mittelfristig denkbar, aber nicht akut. Der weltweite Sportwettenmarkt, der 2017 einen Umsatz von über 500 Milliarden Euro verzeichnete und seither weiter gewachsen ist, übt Druck auf alle nationalen Regulierungsmodelle aus. Die Frage ist nicht ob, sondern wann und wie die Schweiz ihr Modell anpasst. Aktuell gibt es keine konkreten Gesetzesinitiativen, die den Markt für private Anbieter öffnen würden – aber die politische Diskussion ist im Gang, und einzelne Parlamentarier haben bereits Vorstösse angekündigt.
Ein Thema, das die Revision beeinflussen wird: die Wirksamkeit der DNS-Sperren. Wenn sich zeigt, dass ein erheblicher Teil der Schweizer Wetter trotz Sperren bei ausländischen Anbietern spielt, wächst der Druck, alternative Ansätze zu prüfen – etwa eine kontrollierte Marktöffnung mit strengen Auflagen, wie sie in einigen EU-Ländern praktiziert wird. Die Daten dazu sind bisher spärlich, aber die Erfahrungen aus Deutschland, wo die Marktöffnung 2021 zu erheblichen Durchsetzungsproblemen geführt hat, sprechen eher für eine vorsichtige Herangehensweise.
Für Wetter bedeutet das: Die aktuelle Rechtslage ist stabil, aber nicht unveränderlich. Wer sich heute für einen legalen Anbieter entscheidet, wettet auf sicherem Boden. Wer sich für einen nicht lizenzierten Anbieter entscheidet, spekuliert nicht nur auf Sportergebnisse, sondern auch darauf, dass die rechtlichen Rahmenbedingungen sich nicht zu seinen Ungunsten verändern. Die klügere Wette ist die auf den sicheren Rahmen.