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Steuerfreie Wettgewinne bis über eine Million Franken – was dahintersteckt
Als ich einem Kollegen zum ersten Mal erklärt habe, dass Sportwetten-Gewinne in der Schweiz unter bestimmten Bedingungen steuerfrei sind, hat er mir nicht geglaubt. Steuerfrei? In der Schweiz? Ja, tatsächlich – und die Freigrenze liegt nicht bei ein paar Hundert Franken, sondern bei 1’070’400 CHF. Das ist kein Tippfehler.
Diese Regelung gilt seit dem Inkrafttreten des Geldspielgesetzes am 1. Januar 2019, das von 73 Prozent der Schweizer Stimmbevölkerung angenommen wurde. Die Idee dahinter ist einfach: Gewinne bei legalen, lizenzierten Schweizer Anbietern sollen nicht doppelt belastet werden – einmal durch die Abgaben, die der Anbieter ans System zahlt, und zusätzlich durch die Einkommenssteuer beim Spieler.
Aber – und das ist der Punkt, den die wenigsten kennen – diese Steuerfreiheit gilt nur unter einer entscheidenden Bedingung: Du musst bei einem lizenzierten Schweizer Anbieter gespielt haben. Wer bei einem ausländischen, nicht lizenzierten Anbieter gewinnt, zahlt auf jeden Franken Einkommenssteuer. Dieser Unterschied kann bei einem Gewinn von 10’000 CHF mehrere Tausend Franken ausmachen. Und trotzdem bewerben dutzende Affiliate-Seiten weiterhin ausländische Buchmacher, ohne diesen steuerlichen Elefanten im Raum auch nur zu erwähnen.
Gewinne bei lizenzierten Anbietern – die Steuerfreigrenze
In der Schweiz gibt es genau zwei lizenzierte Online-Sportwettenanbieter: Sporttip und Jouez Sport. Gewinne bei diesen beiden Anbietern sind bis zur Freigrenze von 1’070’400 CHF von der Einkommenssteuer befreit. Das steht im Geldspielgesetz, Artikel 24, und ist in allen 26 Kantonen gleichermassen gültig.
Die Freigrenze bezieht sich auf den einzelnen Gewinn, nicht auf den Jahresgesamtbetrag. Wer im Januar 5’000 CHF gewinnt und im März nochmal 8’000 CHF, hat zwei steuerfreie Gewinne – nicht einen Gesamtgewinn von 13’000 CHF, der gegen die Grenze gerechnet wird. In der Praxis ist diese Unterscheidung für die allermeisten Sportwetter irrelevant, weil kaum jemand auch nur in die Nähe der Millionengrenze kommt. Aber es ist gut zu wissen, dass das System nicht kumulativ rechnet. Die Freigrenze wurde so hoch angesetzt, dass selbst professionelle Sportwetter – sofern sie bei legalen Anbietern spielen – in der Regel keine Steuern auf ihre Gewinne zahlen müssen. Das ist im internationalen Vergleich aussergewöhnlich grosszügig.
Swisslos, die Muttergesellschaft von Sporttip, hat 2024 insgesamt 595.7 Millionen Franken an gemeinnützige Zwecke ausgeschüttet. Dieses Geld fliesst in kantonale Fonds, Sportförderung und Kultur. Wer bei Sporttip wettet und gewinnt, profitiert also doppelt: steuerfreie Gewinne und die Gewissheit, dass der Einsatz teilweise dem Gemeinwohl zugutekommt. Bei internationalen Buchmachern fehlt dieser Kreislauf komplett.
Gewinne bei ausländischen Anbietern – volle Steuerpflicht
Hier wird es unangenehm. Wer bei einem nicht in der Schweiz lizenzierten Wettanbieter spielt – also bei allen internationalen Buchmachern, die über DNS-Sperren eigentlich nicht erreichbar sein sollten – muss jeden Gewinn als Einkommen versteuern. Keine Freigrenze, keine Vergünstigungen, volle Progression.
Bei einem Grenzsteuersatz von 35 bis 40 Prozent, der in vielen Kantonen bei mittleren Einkommen greift, bedeutet das konkret: Ein Gewinn von 10’000 CHF bei einem ausländischen Anbieter wird mit 3’500 bis 4’000 CHF besteuert. Derselbe Gewinn bei Sporttip? Null Franken Steuern. Dieser Unterschied ist so massiv, dass er allein schon die Wahl des Anbieters bestimmen sollte.
Viele Sportwetter sind sich dieser Konsequenz nicht bewusst. Die Vergleichsportale, die ausländische Anbieter bewerben, erwähnen die steuerlichen Folgen allenfalls in einer Fussnote – wenn überhaupt. In Wahrheit ist die Steuerfrage das stärkste Argument für die legalen Schweizer Anbieter, noch vor den Themen Sicherheit und Spielerschutz.
Ein weiterer Punkt: Verluste bei ausländischen Anbietern können nicht gegen Gewinne verrechnet werden. Wer 20’000 CHF verliert und dann 15’000 CHF gewinnt, muss die 15’000 CHF voll versteuern, ohne den Verlust geltend machen zu können. Bei lizenzierten Schweizer Anbietern stellt sich diese Frage gar nicht erst, weil Gewinne dort steuerfrei sind.
Wie Wettgewinne in der Steuererklärung einzutragen sind
Die praktische Seite der Versteuerung ist weniger kompliziert, als viele befürchten, aber sie erfordert Disziplin bei der Dokumentation.
Gewinne bei lizenzierten Anbietern musst du in der Steuererklärung angeben, auch wenn sie steuerfrei sind. Das klingt widersprüchlich, ist aber Standard: Die Steuerbehörde will wissen, woher dein Geld kommt, auch wenn sie keinen Anteil davon fordert. Du trägst den Gewinn in der Rubrik „Lotterien und Geldspiele“ ein und gibst den Anbieter an. Der Betrag wird dann zum steuerbaren Einkommen addiert und die Freigrenze automatisch abgezogen.
Bei Gewinnen bei ausländischen Anbietern trägst du den Betrag als „Einkommen aus Geldspielen“ ein. Hier gibt es keine Freigrenze – der volle Betrag fliesst ins steuerbare Einkommen. Die Steuerbehörden haben in den letzten Jahren ihre Prüfungsinstrumente verfeinert: Bankbewegungen, die auf Einzahlungen bei ausländischen Wettanbietern hindeuten, können Rückfragen auslösen.
Mein Rat: Führe ein einfaches Protokoll deiner Wettaktivitäten – Datum, Anbieter, Einsatz, Gewinn. Das kostet zwei Minuten pro Wette und erspart dir im Frühjahr stundenlange Recherche in Kontoauszügen. TWINT-Transaktionen sind in der App sauber dokumentiert und lassen sich als Screenshot sichern – das ist dein bester Freund bei der Steuererklärung. Wer die Grundlagen zur Legalität von Sportwetten in der Schweiz kennt, versteht auch die steuerliche Logik dahinter.
Kantonale Unterschiede gibt es bei den Steuersätzen, nicht bei der Freigrenze. Die 1’070’400 CHF gelten bundesweit einheitlich, aber die Steuersätze für Beträge darüber oder für Gewinne bei illegalen Anbietern variieren zwischen den Kantonen erheblich. In Zug zahlt man deutlich weniger als in Genf. Das ändert nichts an der Grundregel – lizenziert gleich steuerfrei, unlizenziert gleich steuerpflichtig – aber es beeinflusst die Höhe der Belastung im Einzelfall. Und noch etwas, das selten erwähnt wird: Eine Sportwetten-Transaktion im Kontoauszug ist für Steuerprüfer nichts Ungewöhnliches. 63.7 Prozent der Bevölkerung haben irgendwann an Geldspielen teilgenommen – das ist Alltag, nicht Ausnahme.