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Warum manche Wettseiten in der Schweiz nicht erreichbar sind
Du tippst die URL eines bekannten internationalen Wettanbieters in den Browser, drückst Enter – und landest auf einer Sperrseite. Keine Verbindung, keine Weiterleitung, nur ein Hinweis, dass diese Website in der Schweiz nicht verfügbar ist. Wer das zum ersten Mal erlebt, ist irritiert. Wer den Hintergrund kennt, versteht: Das ist Absicht, gesetzlich vorgeschrieben und Teil eines Systems, das den Schweizer Wettmarkt schützen soll.
Die DNS-Sperren sind ein direktes Instrument des Geldspielgesetzes, das 2019 in Kraft trat und von 73 Prozent der Schweizer Stimmbevölkerung angenommen wurde. Sie blockieren den Zugang zu ausländischen Wettanbietern und Online-Casinos, die keine Schweizer Lizenz besitzen. Die Idee: Wenn Schweizer Spieler bei lizenzierten Anbietern bleiben, sind Spielerschutz, Steuereinnahmen und gesellschaftliche Abgaben gewährleistet.
Die Sperrlisten werden von der ESBK geführt und regelmässig aktualisiert. Hunderte Websites stehen darauf – von globalen Branchengrössen bis zu kleinen Nischenanbietern. Jeder Internetanbieter in der Schweiz ist verpflichtet, diese Sperren technisch umzusetzen. Das ist kein freiwilliger Dienst, sondern eine gesetzliche Pflicht.
Wie DNS-Sperren technisch funktionieren
DNS steht für Domain Name System – das System, das menschenlesbare Webadressen in IP-Adressen übersetzt. Wenn du „beispiel-wetten.com“ eingibst, fragt dein Browser einen DNS-Server, welche IP-Adresse zu dieser Domain gehört. Normalerweise bekommt er die richtige Antwort und leitet dich zur Website weiter.
Bei einer DNS-Sperre passiert etwas anderes: Der DNS-Server deines Schweizer Internetanbieters gibt nicht die echte IP-Adresse zurück, sondern eine falsche – in der Regel die Adresse einer Sperrseite. Dein Browser lädt also nicht die gewünschte Website, sondern eine Informationsseite, die erklärt, warum der Zugang blockiert ist.
Technisch gesehen sind DNS-Sperren eine relativ oberflächliche Massnahme. Sie blockieren den Zugang über den Standard-DNS-Server des Internetanbieters. Wer einen alternativen DNS-Server konfiguriert oder ein VPN nutzt, kann die Sperre theoretisch umgehen. Das ist kein Geheimnis, und es ist auch kein Zufall, dass das Gesetz diese Möglichkeit bewusst nicht kriminalisiert hat. Die DNS-Sperre ist als Hürde gedacht, nicht als undurchdringliche Mauer – aber sie reicht aus, um die grosse Mehrheit der Nutzer im legalen Bereich zu halten.
Was die meisten nicht wissen: DNS-Sperren betreffen nur den Domainnamen, nicht die IP-Adresse selbst. Wenn ein gesperrter Anbieter seinen Domainnamen ändert, muss die ESBK die neue Domain separat sperren lassen. Das führt zu einem Katz-und-Maus-Spiel, das die Behörde mit regelmässigen Aktualisierungen der Sperrliste beantwortet. In der Praxis funktioniert das System trotzdem: Die meisten Nutzer geben nach der ersten Sperrseite auf und wechseln nicht aktiv auf alternative Domains. Für die ESBK ist es ein fortlaufender Prozess – neue Domains tauchen auf, werden gemeldet, geprüft und gesperrt. Das kostet Ressourcen, ist aber der Preis für ein System, das auf Hürden statt auf absolute Blockaden setzt.
Welche Anbieter auf der Sperrliste stehen
Die ESBK veröffentlicht die aktuelle Sperrliste auf ihrer Website. Dort finden sich Hunderte Einträge – eine Mischung aus Sportwettenanbietern und Online-Casinos, die in der Schweiz keine Lizenz haben.
Unter den gesperrten Seiten befinden sich einige der grössten internationalen Wettanbieter. Ob ein Name auf der Liste steht, hängt nicht von der Qualität oder Seriosität des Anbieters ab, sondern ausschliesslich davon, ob er eine Schweizer Lizenz besitzt. Ein international regulierter Anbieter mit maltesischer Lizenz ist in der Schweiz genauso gesperrt wie ein unregulierter Offshore-Anbieter.
Die einzigen Anbieter mit Schweizer Sportwetten-Lizenz sind Sporttip und Jouez Sport. Alle anderen sind per Definition nicht lizenziert und stehen auf der Sperrliste oder werden bei Bekanntwerden darauf gesetzt. Die Vergleichsportale, die ausländische Anbieter für den Schweizer Markt bewerben, sind selbst nicht gesperrt – sie sind keine Glücksspielanbieter, sondern Affiliate-Websites. Diese Lücke im System führt dazu, dass Schweizer Sportwetter regelmässig auf Websites landen, die ihnen Anbieter empfehlen, die sie legal gar nicht nutzen sollten. Ein Sportwetter, der auf einer solchen Vergleichsseite einen ausländischen Buchmacher anklickt, weiss oft nicht, dass er sich in eine steuerliche Falle begibt – und die Vergleichsseite verdient an diesem Klick, egal ob der Anbieter legal ist oder nicht.
VPN und die rechtliche Grauzone
VPN-Dienste ermöglichen es, DNS-Sperren zu umgehen, indem sie den Internetverkehr über Server in anderen Ländern leiten. Die Frage, die sich jeder Sportwetter in der Schweiz irgendwann stellt: Ist das legal?
Die Antwort ist differenziert. Die Nutzung eines VPN ist in der Schweiz nicht verboten. Auch die Nutzung eines VPN, um auf gesperrte Wettseiten zuzugreifen, ist für den Spieler nicht strafbar. Das Geldspielgesetz richtet sich gegen die Anbieter, nicht gegen die Nutzer. Es gibt keine bekannten Fälle, in denen Schweizer Spieler für die Nutzung eines VPN bei Sportwetten strafrechtlich verfolgt wurden.
Aber die steuerlichen Konsequenzen bleiben bestehen. Gewinne bei nichtlizenzierten Anbietern, ob mit oder ohne VPN erzielt, unterliegen der vollen Einkommenssteuer. Die Steuerfreiheit bis 1’070’400 CHF gilt ausschliesslich für lizenzierte Schweizer Anbieter. Wer über VPN bei einem ausländischen Anbieter gewinnt und die Gewinne nicht deklariert, riskiert Steuerhinterziehung – und das ist strafbar.
Ein praktischer Aspekt: Viele internationale Wettanbieter schliessen Schweizer Kunden in ihren AGB aus. Wer sich mit VPN registriert und bei der Auszahlung als Schweizer identifiziert wird, riskiert die Sperrung des Kontos und den Verlust des Guthabens. Der VPN-Weg ist also nicht nur steuerlich riskant, sondern auch praktisch unsicher. Die DNS-Sperre zu umgehen kostet nicht nur technischen Aufwand – sie kostet im Erfolgsfall echtes Geld in Form von Steuern, die bei legalen Anbietern nicht anfallen würden. Wer stattdessen auf dem legalen Weg bleiben möchte, findet bei der Übersicht zur Legalität von Sportwetten in der Schweiz alle relevanten Informationen.