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Zwei Behörden, klar getrennte Zuständigkeiten
Wer in der Schweiz eine Frage zur Regulierung von Sportwetten hat, steht vor einem Problem, das typisch schweizerisch ist: Es gibt nicht eine zuständige Behörde, sondern zwei. Die ESBK und die Gespa teilen sich die Aufsicht über den Glücksspielmarkt – mit klar getrennten Zuständigkeiten, die auf den ersten Blick verwirrend wirken, bei genauerem Hinsehen aber durchaus Sinn ergeben.
Das Geldspielgesetz, das 2019 mit 73 Prozent Zustimmung in Kraft trat, hat diese Zweiteilung festgeschrieben. Die Logik ist folgende: Spielbankspiele – also alles, was in Casinos stattfindet, inklusive Online-Casinos – werden von der ESBK beaufsichtigt. Grossspiele – also Lotterien, Sportwetten und Geschicklichkeitsspiele – werden von der Gespa beaufsichtigt. Zwei Spielarten, zwei Behörden, zwei Aufsichtssysteme.
In der Praxis führt diese Trennung dazu, dass Sportwetter manchmal nicht wissen, an wen sie sich wenden sollen. Die Antwort ist einfach: Für Sporttip und Jouez Sport ist die Gespa zuständig. Für Online-Casinos die ESBK. Diese klare Aufteilung vermeidet Zuständigkeitskonflikte, wie sie in anderen Ländern mit nur einer Aufsichtsbehörde häufiger auftreten.
Die ESBK – Aufsicht über Spielbanken und Online-Casinos
Die Eidgenössische Spielbankenkommission, kurz ESBK, ist die Bundesbehörde, die Casinos in der Schweiz reguliert. Sie erteilt Konzessionen für landbasierte und Online-Casinos, überwacht den Betrieb und setzt Massnahmen zum Spielerschutz durch. Für Sportwetter ist die ESBK nicht direkt zuständig, aber sie spielt eine indirekte Rolle, die man kennen sollte.
Die ESBK führt die zentrale Sperrdatenbank für problematische Spieler. Rund 60’000 Menschen sind dort registriert – Personen, die sich selbst gesperrt haben oder bei denen eine Fremdsperre verhängt wurde. Diese Sperren gelten anbieterübergreifend, also auch für Sportwetten bei Sporttip und Jouez Sport. Die ESBK hat bestätigt, dass keine Tendenz zu einer grösseren Verbreitung von Spielsucht in der Schweiz erkennbar ist – ein Zeichen dafür, dass das System funktioniert.
Ausserdem verwaltet die ESBK die Sperrlisten für DNS-Blockaden nichtlizenzierter Anbieter. Wenn ein ausländischer Wettanbieter in der Schweiz nicht erreichbar ist, liegt das an einer Verfügung der ESBK. Die Internetanbieter sind verpflichtet, diese Sperren technisch umzusetzen. Die Liste wird laufend aktualisiert und umfasst Hunderte von Domains – von grossen internationalen Marken bis zu kleinen Nischenanbietern.
In der täglichen Praxis ist die ESBK für Sportwetter weniger sichtbar als die Gespa, aber ihre Arbeit hat direkte Auswirkungen: Wer eine gesperrte Wettseite aufruft, sieht das Ergebnis einer ESBK-Verfügung. Und wer sich als Spieler sperren lässt, wird in der ESBK-Datenbank erfasst. Die Behörde arbeitet im Hintergrund, aber ihre Entscheide spürt jeder Sportwetter in der Schweiz – ob er will oder nicht.
Die Gespa – Aufsicht über Lotterien und Sportwetten
Die Interkantonale Geldspielaufsicht Gespa ist die Behörde, die für Sportwetter direkt relevant ist. Sie beaufsichtigt die Lotteriegesellschaften Swisslos und Loterie Romande, und damit auch deren Sportwettenangebote Sporttip und Jouez Sport.
Die Gespa prüft, ob die Anbieter die gesetzlichen Vorgaben einhalten: Spielerschutzmassnahmen, Altersverifikation, Einzahlungslimits, Werbebeschränkungen. Sie ist auch dafür zuständig, dass die Erträge korrekt verteilt werden – 2025 wurden 6.2 Millionen Franken für die Prävention von Spielsucht bereitgestellt, finanziert aus 0.5 Prozent des Bruttospielertrags.
In meiner Erfahrung arbeitet die Gespa im Hintergrund – man bemerkt ihre Arbeit nicht, solange alles funktioniert. Aber wenn ein Anbieter seine Pflichten nicht erfüllt oder ein Spieler sich beschwert, ist die Gespa die Instanz, die eingreift. Die Entscheide der Gespa sind verbindlich und können bei Nichteinhaltung zu Sanktionen gegen den Anbieter führen – von Verwarnungen über Bussen bis hin zum Entzug der Konzession, was das Ende des jeweiligen Sportwettenangebots bedeuten würde.
Ein konkretes Beispiel für die Arbeit der Gespa: Die Überwachung der Werbung. Sportwetten-Werbung in der Schweiz unterliegt strengen Regeln – keine Werbung, die sich an Minderjährige richtet, keine übertriebenen Gewinnversprechen, keine Darstellung von Sportwetten als Einkommensquelle. Die Gespa prüft die Einhaltung und kann bei Verstössen Bussen verhängen. Die Erträge der Lotteriegesellschaften fliessen zum grössten Teil in gemeinnützige Zwecke – Swisslos hat 2024 insgesamt 595.7 Millionen Franken an Sport, Kultur und Soziales verteilt. Die Gespa stellt sicher, dass diese Verteilung korrekt abläuft.
Wie ESBK und Gespa zusammenarbeiten
Die Zusammenarbeit zwischen ESBK und Gespa ist enger, als die formale Trennung vermuten lässt. Beide Behörden teilen sich die Sperrdatenbank, koordinieren DNS-Sperren und tauschen Informationen über problematische Anbieter aus.
Seit Januar 2025 hat die Zusammenarbeit eine neue Dimension erreicht: Die gegenseitige Anerkennung von Spielersperren zwischen der Schweiz und Liechtenstein. Diese grenzüberschreitende Kooperation wurde von der ESBK koordiniert und hat dazu geführt, dass Liechtensteiner Casinos einen Umsatzrückgang von 85 Prozent meldeten – ein deutliches Zeichen dafür, dass viele Kunden gesperrt waren und die Lücke nun geschlossen ist.
Für den einzelnen Sportwetter ist die Zusammenarbeit der Behörden vor allem in einem Punkt relevant: Die Sperren sind lückenlos. Wer sich bei Sporttip sperren lässt, ist automatisch auch bei Jouez Sport, bei allen Schweizer Online-Casinos und seit 2025 auch in Liechtenstein gesperrt. Es gibt kein Schlupfloch innerhalb des legalen Systems. Diese konsequente Umsetzung ist international bemerkenswert – viele europäische Länder haben Spielersperren auf dem Papier, setzen sie aber nur innerhalb einzelner Anbieter um, nicht anbieterübergreifend. Die Schweiz geht hier weiter als die meisten Nachbarländer.
Die Frage, die ich am häufigsten höre: „An wen wende ich mich, wenn ich ein Problem habe?“ Bei Problemen mit einer Sportwette – etwa einer nicht korrekt abgerechneten Wette – wende dich zuerst an den Anbieter selbst. Wenn der Anbieter das Problem nicht löst, ist die Gespa die zuständige Aufsichtsbehörde. Wer die gesamte rechtliche Landschaft der Sportwetten in der Schweiz verstehen will, findet dort den vollständigen Überblick.